Mittwoch, 24. Februar 2010

Luxus

Mein Institut hat seinen Standort gewechselt und ist von einem Parkhaus in eine ehemalige Klinik gezogen.  Als Rollstuhlfahrer bietet der neue Standort definitiv einiges an Vorteilen. Im alten Gebäude musste man Treppen überwinden um überhaupt bis zum Aufzug zu gelangen - der aber nur bis in den 3. Stock fuhr und somit nicht bis zu den Räumen in denen alle Seminare stattfanden. Als Rollstuhlfahrer musste man durch ein anderes Institut um dort direkt nach dem Eingang eine ziemlich wackelige Holzrampe (die einfach über 3 Stufen lag) zu überwinden (die war relativ steil) um dann etliche Türen und Flure später zum Aufzug des Instituts zu gelangen. Die Seminare erreichte man nur über die Dachterasse und wieder über einen anderen Zugang.

Jezt existiert ein Aufzug der überall hinfährt und die Türen sind definitiv auch breit genug ;) schließlich waren sie mal für Krankenhausbetten gedacht :)

Eliteuniversität - Rollstuhlfahrer erwünscht?

Ich gebe zu die Überschrift ist etwas provokativ, dennoch vielleicht nicht ganz unpassend.

Ich studiere an einer sogenannten "Eliteuniversität" und mir erzählte gestern eine Freundin von einem eher negativen Erlebnis mit einem Angestellten der Universitätsbibliothek.

Die Freundin ist ebenfalls Rollstuhlfahrerin und studiert an einer anderen Hochschule (in einer anderen, weiter entfernten Stadt) wohnt aber in der Stadt meiner Uni. Zum Lernen begibt sie sich oft in die hiesige Unibib. Die Bibliothek ist über einen Haupteingang mit Stufen zu erreichen und hat einen barrierefreien Seiteneingang für Rollstuhlfahrer. Dort muss man klingeln und warten bis jmd. vom Personal sich nach unten begibt und die Tür öffnet und auch den Aufzugsschlüssel mitbringt. Das ist natürlich besonders im Winter äußerst unangenehm wenn man bei den Temperaturen auf unbestimmt lange Zeit in der Kälte steht. (auch mal 10 Minuten)

Die Freundin hat einen Ausweis der Unibibliothek denn den kann man sich nicht nur als Student ausstellen lassen. eine Mitarbeiterin teilte ihr dann mit das sie sich einen eigenen Schlüssel für Tür & Aufzug aushändigen lassen könnte um zukünftig selbst die Tür öffnen zu können und den Aufzug zu nutzen.

Praktische Sache - eigentlich: Der für den Schlüssel zuständige Mitarbeiter zeigte sch äußerst unfreundlich im Gespräch und teilte ihr erst einmal mit das den Schlüssel lediglich eingeschriebene Studenten erhalten können und es völlig egal ist ob sie für ihren Nutzerausweis etwas zahlt, denn sie sei keine an der Hochschule eingeschriebene Studentin.

Man lernt also daraus schon mal: Zahlen darfst du für den Ausweis und die Bibliothek dann auch nutzen wie jeder Student, aber rein kommst du wann du willst nur als Nichtrollstuhlfahrer.

Das Gespräch ging aber noch weiter, der Mitarbeiter erklärte es könne ja auch nicht sein das "jeder" einen Schlüssel bekommt, denn dann könne der ja "zu untreuen Händen gelangen" - sagte er ... stellt sich nur die Frage warum die Mitarbeiterin diesen Vorschlag ganz von sich aus machte.

Außerdem scheint der Mitarbeiter Rollstuhlfahrer für nicht sonderlich intelligent zu halten denn er wollte wissen "Wissen Sie denn was Denkmalschutz ist?" - äh ja, das wissen auch Rollstuhlfahrer und eben deshalb wollte sie den Schlüssel - stellt sich die Frage ob er weiß was Diskriminierung und Barrierefreiheit sind?!

Absolutes I-Tüpfelchen war aber als er wissen wollte was meine Freundin denn so täte, sie erklärte ihm das sie studiert und ein Praktikum in einem hier ansässigen Zentrum zur Beratung von behinderten Frauen macht. Kommentar des Mitarbeiters war: "Oh dann hab ich ja bald noch mehr von Ihrer Sorte hier stehen" - das machte mich ehrlich gesagt fast sprachlos.

Eine weitere Begründung dafür das sie keinen Schlüssel bekommt war "Ab April wird hier eh renoviert und dann ist der Rollstuhleingang eh nicht mehr existent" - oh super, vielen Dank! Gutes Timing so zum Semsterbeginn, was wollen Rollstuhlfahrer auch die Bibliothek nutzen.

Unnötig zu sagen das er natürlich seinen Vorgesetzten nicht nennen wollte und sich während des Gesprächs nicht durch Höflichkeit auszeichnete.

Fazit ist also: Man kann sich einen solchen Schlüssel aushändigen lassen, aber nur wenn man an der Hochschule eingeschrieben ist, ist man irgendwo anders als Student eingeschrieben ist man jeder und ganz sicher jemand der verantwortungslos mit dem Schlüssel umgeht. Außerdem sind Rollstuhlfahrer die sich gegen eine solche Behandlung auf irgendeine Art wehren wollen eine "Sorte" die nervig und negativ besetzt ist. Und man braucht den Schlüssel ja sowieso nicht weil in mehr als 1 Monat der rollstuhlgerechte Zugang sowieso nicht mehr existiert.

Mal sehen was der Behindertenbeauftragte der Universität davon hält...

Es wird sicher interessant zu sehen ob der gnädige Mitarbeiter mir als eingeschriebener Studentin einen solchen Schlüssel aushändigt wenn ich danach fragen werde. Und ob ich auch zu "der Sorte" gehöre oder ob ich eine andere bin weil ich an der Hochschule eingeschriebene Rollstuhlfahrerin bin?