Freitag, 24. September 2010

Da fällt mir wieder ein...

... ich bin gerade zu müde um Webers Bürokratie in Worte zu fassen aber richtig schlafen kann ich auch noch nicht, daher streifte ich mal wieder so durch den Blog von @EinAugenschmaus den ihr hier findet. Sie ist gehörlos und berichtet von ihrem tapferen Kampf gegen Windmühlen (ich bewundere das Engagement, mir würden wohl irgendwann die Nerven dazu fehlen) was die miserabele Untertitelungsquote beim ZDF und den anderen öffentlich-rechtlichen Sendern (und über die Privaten hüllt man besser komplett den Mantel des Schweigens, da gibt es kein Fünkchen erwähnenswertes glaube ich) betrifft.
Außerdem berichtetet sie Dinge die ihr relevant erscheinen und schlägt so wohl eine Art Brücke zwischen Gehörlosen und "Normalos".
Okay ich seh schon ich bin wieder etwas abgeschweift - so bin ich halt ;)
Eigentlich wollte ich über etwas bloggen das mir beim lesen dieses Eintrages wieder einfiel.
(wüsste ich wie ich den weiterlesen link einbaue wäre der Text nicht so lange *G*)

Ich habe meine Ausbildung in einem nicht gerade kleiinen saarländischen Unternehmen gemacht, die Personalverantwortliche war immer sehr bemüht das es möglichst gut klappt für mich. Damals war ich noch laufend auf meinen Füßen unterwegs ohne sonstige Hilfsmittel, allerdings waren auch da meiner Gehfähigkeit schon vergleichsweise enge Grenzen gesetzt und ich war auf den öffentlichen Personennahverkehr angewiesen der im Saarland nicht gerade sehr gut ausgebaut ist.
Ich musste im Rahmen meiner Ausbildung auf jeden Fall mind. einmal auf eine Außenstelle, netterweise hat die Personalfrau mir nicht die wirklich am Arsch der Welt liegenden ohne jegliche Busverbindung zugeteilt sondern eine auf der relativ viel Verwaltung sitzt und vor allem teilte sie mir auch mit welche Herren ich ansprechen kann um zu fragen ob ich evtl. bei ihnen mitfahren darf. (denn sie mussten eh jeden Morgen an meiner Haltestelle vorbei)
Das war auch zwingend notwendig, denn auf den Außenstellen begann die Arbeitszit der Büroleute zwischen 6 und 7 und so früh hätte ich mit ÖPNV keine Chance gehabt, denn ich hätte so gegen 4 losfahren müssen, dann fährt aber der 1. Bus noch gar nicht, noch dazu hätte ich am Zielort den Weg von der Haltestelle aus zu Fuß gar nicht schaffen können.

Ups, schon wieder geschwafelt - tschuldigung :/

Ich war auf jeden Fall immer schon sehr früh an meinem Arbeitsplatz und in meinem Büro saßen noch meine Ausbildungsleiterin in diesem Abschitt und 2 weitere normale Angestellte. Eine der Angestellten war gehörlos und hatte auch nur sehr wenig Sprachvermögen. Am ersten Tag wurde sie mir nur mit "Das ist die Frau X. die macht unsere Post und sitzt immer da" vorgestellt, das sie hörbehindert/sprachbehindert ist wurde mir überhaupt nicht mitgeteilt und ich wunderte mich das sie den ganzen Tag kein Wort sprach,,,
Durch meine Fahrkollegen bekam ich dann mal mit das sie gehörlos ist "Da sitzt doch die Taubstumme oder?" führte bei mir natürlich zuerst zur Verwirrung, erklärte dann aber im Nachhinein ja eniges, die Frau war gar nicht unhöflich zu mir sondern konnte nur nicht richtig mit mir kommunizieren.
Frau X. war mit mir immer die erste im Büro, mal ich - mal sie und wir hatten dann so etwa 20 Minuten bis die andere Angestellte - ich nenne sie mal Frau B. und meine Ausbildungsleiterin dort Frau A. - kam. Die grüßte sehr demonstrativ nur mich, was ich schon befremdend fand denn offenbar konnte Frau X. von den Lippen lesen und dann immerhin sowas sagen was man mit ein bisschen Gewöhnung recht gut als "Guten Morgen" erkennen konnte.

Frau A. kam jeden Tag erst so gegen halb 9 - 9 (und bewertete meine Pünktlichkeit dennoch mit einer 3 - obwohl sie davon ja gar nichts mitbekam und ich ja schon durch die Fahrgemeinschaft zwangsweise überpünktlich war), dann wurde um halb 10 - 10 erst mal ausgiebig gefrühstückt, wirklich ausgiebig so mit Brötchen die in einem kleinen Ofen aufgebacken wurden, versch. Käse-/Wurstsorten etc. Sowohl Frau X. als auch ich wurden nicht einmal gefragt ob wir mitessen möchten und wir durften uns auch nicht dazusetzen (ich hatte ja auch mein eigenes Brot dabei). Statt dessen wurde den ganzen Tag gelästert, über alles ... wer mit wem zeitgleich auf den Parkplatz kommt, wer was an hat etc ... So Weiberzeug halt mit dem ich nix anfangen kann.
Und dann war die Lästerrunde immer mal wieder bei Frau X. angelangt - die könne ja eh nix, sei dumm, verstünde ja nix und eigentlich könne man sie überhaupt nicht brauchen und findet sie äußerst lästig. Das wurde oft mit zugewandtem Rücken gemacht, aber Frau A. saß mit dem Gesicht in Richtung Frau X. und bremste sich auch nicht ...
Dabei hat Frau X. ihre Arbeit immer! zügig und gründlich erledigt - ganz im Gegensatz zu Frau A. und B. die vor lauter Privattelefonaten, Treffen mit Kolleginnen und Lästerrunden ihre Arbeit meist noch mit in den nächsten Tag schleppten oder sie dann eben bei mir abluden.
Sobald Frau X. den Raum verließ gingen die Lästerreien noch übler weiter als eh schon und man versuchte auch ab und an eine zustimmende Meinung von mir zu erhalten.
Wenn Leute das Büro betraten und jeden Einzelnen grüßten (und natürlich auch Frau X. - mit zugewandtem Gesicht) dann kam von Frau B. oft "kannst du dir sparen, die hört eh nix"
Man hat immer wieder erkennen können das Frau X. verstand was diese Weiber da über sie sprachen und ich habe mich später auch mal versucht mit ihr darüber zu unterhalten so lange wir noch alleine im Büro waren, es schien ihr aber nicht ganz so recht zu sein. Mir war es aber wichtig zumindest ihr gegenüber zum Ausdruck zu bringen das ich es nicht okay finde.

Meinen Vorgesetzten gegenüber habe ich lieber die Klappe gehalten, schließlich war ich nur der Azubi (der eh schon nur echte Deppenarbeit machen musste - dort war die Abteilung die mir in meiner Ausbildung als einzige nichts vermittelt hat, denn ich durfte 8h am Tag Lieferscheine scannen, 6 Wochen lang und sonst nichts - Kaffeekochen traute man der Behinderten offenbar nicht zu...)
Zum Betriebsrat konnte ich auch nicht, denn mit denen stand ich aus ganz anderen Gründen eh nicht so auf gutem Fuß (ich beschloss nicht in die Gewerkschaft zu gehen und das hielt mir der Betriebsrat bis ans Ende der Ausbildung immer wieder vor und versuchte mich zu einem andern Entschluss zu drängen (aber das ist eine andere Geschichte)), also ärgerte ich mich jeden Tag still vor mich hin über ein solch anmaßendes und unverschämtes Verhalten.

Und das war definitiv das widerwärtigste Verhalten das mir in der Arbeitswelt bisher begegnete, vor allem da die beiden Damen vornerum immer so taten als fänden sie einen gaaaanz toll - ich wollte nie wissen was sie über mich reden sobald ich aus der Tür bin.
Ich habe dort wohl dennoch zu oft Widerworte gegeben (obwohl ich mich wirkich bemühte) oder zu wenig mitgelästert (nämlich gar nicht), denn das Zeugnis dort war das schlechteste meiner gesamten Ausbildung und alle anderen dortigen Unterabteilungen waren voll des Lobes für mich und meine Arbeit.

Damals hab ich mir gewünscht ich könnte gebärden, dann hätte ich wenigstens mit Frau X. kommunizieren können und vor den Augen der Damen wenigstens ein Mal über sie lästern können, die Gesichter hätten mir Genugtuung gebracht, ehrlich.

Es empört mich auch Jahre später immer noch wenn ich daran denke das über Frau X. in ihrem Beisein und während sie die Lippen sah gesagt wurde das man sie überhaupt nicht wolle und froh wäre sie los zu sein, das man lieber die Post selbst erledigen würde als sie weiterhin im selben Raum zu haben - und Frau X. hat es verstanden, das sah man an ihrem Gesicht ... sie wurde kurz wütend und schien dann eher traurig zu sein aber das auch schon gewohnt zu sein ... mir stand nur der Mund offen und ich musste erst mal darüber nachdenken ob ich gerade wirklich gehört hatte was ich glaubte gehört zu haben.
Ab da habe ich nur noch die allernötigsten Worte mit Frau A. und B. gewechselt was dann Kommentare wie "oh Sie sind ja so still Frau S." brachte. Für manche Menschen ist einfach jegliche Luft zu schade.
Das waren auch die einzigen Personen während meiner Ausbildung denen ich nicht anbot mich zu duzen (obwohl das im Saarland eher flott üblich ist).

Ich erinnere mich an ein einziges Mal wo Frau X. versuchte Frau B. Widerworte zu geben und sie war sehr aufgebracht und energisch und äußerte auch dass sie sie sehr wohl versteht und nicht doof ist. Die Reaktion war das Frau B. mit ihr zugewandtem Rücken zu Frau A. sagte "Was sagt die? hast du verstanden was die (denkt euch die abfällige Betonung) wieder wollte?!" - ich bin sicher Frau B.hat Frau X. ganz genau verstanden, denn ihr Gesicht entgleiste ganz kurz. Reaktion von Frau A. war das sie Frau X. anmeckerte sie solle ihre Arbeit machen und ihr noch mehr auf den Tisch legte.

Ich sollte dort laut meinem Ausbildungsplan nur 3 Wochen sein und dann noch den Rest der 8 Wochen in 3 weiteren Unterabteilungen, kurz vor Ende Woche 3 beschloss Frau Ausbildungsleiterin A. das sie meine Zeit verlängert weil ich so fleißig wäre (eigentlich brauchten sie nur einen Doofen der die Lieferscheine scannte, denn beide Damen waren mit dem wirklich wunderbaren Scanner und dem Programm total überfordert und mussten die Arbeit noch neben ihrer anderen machen (die Lieferscheinstapfel waren hoch, die Arbeit aber auch gut nebenher zu machn da der Scanner die Blätter einzog und dann durch so ein gemustertes Trennblatt erkannte wann der nächste Lieferschein anfing, und er konnte die Nummern aus dem Scan heraus zuordnen, so dass man nur kontrollieren musste und speichern drücken) - sie baten mich auch möglichst langsam zu arbeiten (ich war ihnen nämlich deutlich zu schnell) denn die Zeit die ich dafür brauchte musste notiert werden weil der Arbeitsvorgang komplett neu war und sie sollten die Stunden später einhalten).

Ich war dann noch je 1 Woche in 2 der eigentlich 3 andern Abteilungen und habe dort in der einen Woche wirklich interessante Dinge gelernt, teilweise hätte ich mir das auch als späteres Arbeitsfeld vorstellen können - sehr schade das die dort wirklich tollen Kollegen und ich so wenig gemeinsame Zeit hatten weil ich unfreiwilliger Lästerteilnehmer sein musste.

Zu mir war man immer ausgesucht höflich und distanziert und legte mir eher so die kleinen Steine in den Weg. Wenn die Dame die erst 2 Stunden nach mir im Büro auftaucht mir zu verstehen gibt das sie mich jetzt (trotz meiner Überstunden und der Gleitzeit) nur auuuuusnahmsweise eine Viertelstunde eher gehen lässt damit ich mit meiner Fahrgemeinschaft heimfahren kann, während sie selbst ständig früher Feierabend machte und so manches Mal vor mir das Büro verließ, dann kann ich darüber nur den Kopf schütteln und diese geistig offenbar arme Frau bedauern. Wessen Lebensinhalt nur aus frühstücken, telefonieren und lästern besteht (oh und Tupperpartys - sie war Tuppertante (irgendwas höheres in den Rängen dort) und musste ständig die unter ihr arbeitenden koordinieren und so) der kann mir wirklich nur leid tun.
So manches Mal ließ sie mich auch nicht früher gehen was natürlich meine beiden Fahrkollegen (von denen ich abhängig war - und das wusste sie und es war auch mit ihr anfangs besprochen das solche Situationen eintreten können und sie sagte damals das sei okay) verärgerte, denn sie hatten oftmals schon Termine die dadurch gefährdet wurden.

Das ich schadenfroh vor mich hingrinsen konnte, wenn ich in den 2 Wochen in anderen Abteilungen dort hin musste und die Damen mit verzweifelten Gesichtern hinter dem ScanPC sitzn sah muss ich nicht erwähnen oder? ;)
Ich hatte Ihnen offenbar das Zeitlimit zu niedrig gelegt - und das obwohl ich für meine Verhältnisse langsam arbeitete (und zwischendurch oft und wirklich viel im Internet surfte), aber ich musste meine Zeit ja nicht mit Frühstück und lästern verbringen - es war mir quasi ein innerer Reichsparteitag ein inneres Fest :D

Uff jetzt wurde das viel länger als gedacht und es damit auch viel später als geplant, also husch husch ins Bettchen sonst muss Herr Weber morgen zu lange auf meine Gedanken zu seiner Bürokratie warten.

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