Freitag, 17. September 2010

Geballte Kompetenz

Vorweg,  ja ich lebe noch - werde aber wohl weiterhin nur unregelmäßig bloggen, aber das dürfte eh kaum jemandem auffallen ;)

Nun zum Thema - es könnte mein Lieblingsthema werden glaube ich :( Meine Eliteuniversität und mein Alltag dort ...

Ich muss gerade einiges recherchieren und musste dazu auf die Homepage der Unibibliothek, ich hab mir da jetzt ein paar Bücher vorbestellt und zwar sowohl in der Hauptbib als auch in meiner Institutsbibliothek.

Heute will ich eigentlich einen Bibliotheksrundgang starten, Bücher einsammeln und dann über das WE lesen und viel schreiben, so weit so gut...

Eigentlich muss man um in die Haupbibliothek zu kommen in eine Seitengasse dort auf einen unscheinbaren Klingelknopf drücken und dann mitteilen das man gerne herein möchte um dann zu warten bis der Mensch mit dem Schlüssel für das Tor, die Tür und den Aufzug kommt. Alleine diese Warterei und Erklärerei ist schon lästig und zeitfressend, wirklich intelligent ist aber die sehr kurze und damit sehr steile Rampe die dann in das Gebäude führt (Holzrampe und es wäre noch Platz um sie zu verlängern) und die gleichzeitig nach innen zu öffnende Tür (die so ein ich-geh-von-selbst-wieder-zu Ding hat das ziemlich straff eingestellt ist) - ich kenne bisher noch niemand der die Rampe alleine hochkommt ...

Schon seit einer Weile wird groß umgebaut, die Aussage Ende Juli war "so in 5 Jahren soll es fertig sein - dann haben wir ein neues Treppenhaus, das ist dann für Rollstulfahrer" - ein Grinsen habe ich mir daraufhin tapfer verkniffen ;)

Nun las ich vorhin zufällig im Blog der Bib das der Zugang für Rollstuhlfahrer nun nicht mehr über den üblichen Seiteneingang möglich ist und man nun über die auf der anderen Gebäudeseite liegende Straße reinkommen soll. mein erster Gedanke "ah okay", der unmittelbar nächste "äh und wo genau?" Die Straße besteht nämlich aus vielen Türen und mir war bisher überhaupt nicht bewusst das eine davon zu irgendeiner Art von barrierefreiem Zugang der Bib führen könnte ... eine Klingel gibt es dort schon gar nicht.

Möglich wäre das man meint ich solle von der Straße aus in den Innenhof gehen (Kopfsteinpflaster mit tiefen Löchern) um dann wieder vor der Tür mit der kurzem Rampe zu stehen ... allerdings gibts dann da immer noch keine Klingel und somit käme ich gar ncht zur Tür hinein und könnte auch nicht mit dem Aufzug fahren - da es nur ein Seiteneingang ist hat man auch eher keine Chance auf sich aufmerksam zu machen. Und ich würde eigentlich ja davon ausgehen das die Tür dort gar nicht passierbar ist wg den Umbauen denn sonst könnte ich ja auch durch das normale Tor gehen ...

Außerdem steht auf dem Blog das morgen die Aufzüge und die Telefonanlage außer Betrieb sind - super, damit habe ich also wirklich keine Chance mich bemerkbar zu machen, vielen Dank!

Das für mich Ärgerliche an der Sache sind verschiedene Dinge:

1. Ich erfahre davon zufällig(!) auf einem Blog, nicht direkt gut erkennbar auf der Hauptseite der Bib (ich habe das erst vorhin entdeckt obwohl ich schon seit Tage online nach Büchern recherchiere auf der Seite der UB) und vor allem erfahre ich es nicht von dem Behindertenbeauftragten der Uni zu dessen Newsletter ich sogar angemeldet bin. Statt dessen erfahre ich vom Behindertenbeauftragten per Newsletter von irgendwelchen Workshops die in irgendwelchen Käffern stattfinden und nicht so ganz günstig sind. Die wirklich relevanten Dinge die so gegen Semesterende (Hausarbeitszeit) sicher nicht nur mich betreffen erfahre ich nicht. Eigentlich sähe ich das(!) als die Aufgabe eines Behindertenbeauftragten der mich mit seinem Newsletter über wichtige Dinge auf dem Laufenden halten will.

2. Dieser sehr dürftige Blogbeitrag - einfach nur zu schreiben "Zugang über Grabengasse" bedeutet das man es sich sehr einfach macht. Ichbin schon einige Jahre an der Uni und ein paar Jahre war mein Institut direkt angrenzend an die Bibliothek (ich bin dort also wirklich oft vorbei) und mir ist absolut unklar wie ich entweder in die Bibliothek kommen kann oder aber wenigstens nach einem Angestellten klngeln kann. Den Behindertenbeauftragten brauche ich gar nicht fragen, denn der hat von absolut nichts Ahnung - und das obwohl er schon viel länger dort ist als ich dort studiere.

Woher ich das weiß? Die Erfahrung hab ich schon gemacht ... ich wollte wissen ob ein Gebäude rollstuhlzugänglich ist. Das Gebäude ist sehr alt und besitzt außen sogar einen Türöffner, innen habe ich jedoch (als ich noch laufend unterwegs war) obwohl ich danach Ausschau hielt (die Treppen waren steil und lang) nie einen Aufzug oder auch nur einen Hinweis darauf entdeckt. (auch der Gang vor dem Hörsaal war nur blanke Betonwand und die Hörsaaltür, keine Aufzugtür - es sei denn es gäb die in Betonoptik ;)) Auf der Homepage des Behindertenbeauftragten stand nur man solle ihn fragen wenn man was zur Zugänglichkeit wissen wolle oder aber im kommentierten Vorlesungsverzeichnis nachlesen. Im kommentierten Vorlesungsverzeichnis standen aber nur alle möglichen anderen Räume, zu dem benötigten Gebäude gab es absolut keine Information - also habe ich eine EMail geschrieben.

Ich habe ganz freundlich gefragt ob es in den Gebäude einen Aufzug gäbe und wenn ja wo, denn er wäre mir nie aufgefallen. Als Antwort kam nach 2 oder 3 Tagen: "Das kann ich Ihnen auch nicht sagen." und der Hinweis ich solle doch hinfahren und nachfragen.

Ja, vielen Dank! Da wär ich alleine wirlich nicht drauf gekommen, ehrlich nicht ... und eigentlich habe ich die Mail auch nur aus Langeweile geschickt weil ich dem Irrtum aufsaß das mir der Behindertenbeauftragte der schon seit Jahren dort arbeitet da weiterhelfen könnte. Und ich dachte wenn er das nicht wüsste dann könnte er das innerhalb 1 Minute per Telefon abklären während ich erst 15 Minuten per Bus hinfahren muss. Eigentlich dachte ich auch nicht nur das er es KÖNNTE sondern das er es gerne machen WÜRDE, weil es sein Job ist mir Auskünfte zu geben bzw. weiterzuhelfen. Aber okay, so kann man sich täuschen...

Das ist geballte Kompetenz an einer Eliteuniversität - da studiert man doch gerne!

Witzig ist auch das ich eben auf der Suche nach Informationen über den Umbau auf der Infohomepage des Behindertenbeauftragten war und dort dann die Ergebnisse einer Zufriedenheitsumfrage fand (die wurde dieses Jahr durchgeführt): man wunderte sich über die sehr geringe Teilnehmerzahl und warum welche der Teilnehmenden weder Homepage noch Infoblättchen oder Newsletter als hilfreich empfinden.

Das Infoheftchen von diesem Jahr beinhaltet:

- 1 Seite Vorstellung einer neuen Mitarbeiterin (Name, Alter, Studiengang, allg. Geblubber wie "ich bin ja so froh da arbeiten zu dürfen" etc)

- 1 Seite: Hinweis auf den Stammtisch für Hörbehinderte

2 Seiten: Bericht über die Umfrage

1 Seite: sehr allgemein gehaltener Praktikumsbericht eines Studenten (die waren alle so toll, es war alles so interessant, ich hab so viel gelernt, das Team war so nett zu mir, ich durfte mit in Beratungsgespräche, ich durfte kucken ob die HP aktuell ist)

2 Seiten Bericht einer der HiWis das ihre Freunde fragen was sie da arbeitet und das man es eigentlich nicht pauschal beantworten kann (ja, sie hat es geschafft 2 Seiten mit irgendwie nichts zu füllen)

1 Seite Inhaltsverzeichnis

1 Seite Vorwort: Das Inhaltsverzeichnis ist nochmal in Textform gepackt

Und das war's - und da wundert ihr euch das man es nicht informativ findet???! Die einzig interessante Sache wäre vielleicht die Tatsache das es einen Stammtisch von Hörbehinderten gibt, aber das ist für mich nicht relevant weil ich nicht hörbehindert bin. Auch okay ist die Erwähnung der Umfrageergebnisse, auch wenn sie mir persönlich zu allgemein waren und nicht aufführten was ihr aus der Umfrage heraus konkret verändern wollt. Der Rest war seitenweise "Berichte über die Arbeit" (haha) in denen statt konkreten Dingen nur drin steht "wir ham uns alle lieb & es ist so toll bei uns und wir arbeiten total wichtiges Zeug" (so wichtig das nicht verraten wird was ;) )

Informativ wäre die Sache z.B. gewesen wenn dort der Umbau der Universitätsbibliothek überhaupt mal erwähnt worden wäre oder eine Information wo genau zukünftig der barrierefreie Zugang zu finden ist. Und das war alles auch beim Druck des Infoheftchens schon bekannt, denn das ist vom Juni und bereits im November letzten Jahres erwähnte der Bibliotheksschlüsselchef (bei dem Gespräch bei dem er der Freundin den Schlüssel verweigerte) das Umbaumaßnahmen anstehen die den Eingang für Rollstuhlfahrer betreffen werden.

Jetzt mach ich mich schleunigst auf ins Bett, schließlich werde ich meine Nerven für die Suche nach dem Eingang wohl noch brauchen müssen denke ich ... und unausgeschlafen bin ich so gereizt...

1 Kommentar:

  1. Hört sich echt gut organisiert an! Manchmal ist mir nicht bewusst, wie viel glück ich mit meiner EH habe...

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