Mittwoch, 6. Oktober 2010

Mein Freund der äääh die Bahn

Ich war heute auf der Buchmesse (das blogge ich später oder morgen oder so - ich bin noch reizüberflutet) und fuhr dort mit der Bahn hin - wie sich das für einen braven Rollstuhlfahrer gehört habe ich mich bereits am Montag per Onlineformular vorgemeldet (früher - also auch nor vor 2 Jahren - musste man sich 3 Tage vorher anmelden), auch wenn es mich immer noch stört das ich schon vorher sagen muss wann ich wieder nach Hause will...
Aber okay, ich weiß das der hiesige Bahnhof ohne Voranmeldung ein ziemlicher Zickenhaufen ist, die weigern sich dann auch durchaus mal jemanden in den Zug zu setzen - das haben Freunde schon erlebt - und ich wollte ja zu den Büüüüchern :D
Mehr zufällig war ich auch viiiiiel zu früh am Bahnhof und konnte so locker das "10 minuten vorher am Gleis sein" Limit schaffen.
War natürlich ein gaaanz alter Zug, so ein roter mit diesen furchtbaren Hebeln zum Türöffnen, und der Hublift tat was er tun sollte :)
Ich bin also im Zug und die erste Frage des Schaffners war "Darmstadt oder Frankfurt"
ich habe innerlich grinsen müssen, denn es war klar er verwechselt mich mit meiner wohl besten (und längsten) Freundin, die fährt nämlich genau die Strecke immer, meist nach DA aber auch mal nach FFM. Zu seiner Ehrenrettung muss man sagen unsere Rollstühle haben die gleichen roten Spiderwheels (mein Rahmen ist grün, ihrer schwarz), wir haben beide eine Brille und schulterlange Haare - allerdings ist sie etwa 100 Nummern dünner als ich ;) (also tatsächlich so viel dünner das es jedem sofort auffällt)
Aber okay, das war ja nicht schlimm - nur zum schmunzeln.

Auch die Fahrt und das Aussteigen in FFM liefen problemlos.

Dann nahm ich den falschen Aufzug zur S-Bahn und kam dann auf dem richtigen Gleis natürlich relativ knapp an und bin dann einfach irgendwo in den Zug rein ohne dass da ein Rollstuhlsymbol war - der Abstand zwischen Gleis und Zug war überall gleich weit und wollte ja nur 2min fahren die steh ich auch im Gang gut.
ich musste aber erst umdrehen um rückwärts in die Bahn zu fahren denn vorwärts wären die Räder mal gepflegt in der Lücke versunken (ich kann sie nicht so zielgerichtet da drüber lupfen, dazu fehlts mir an Gleichgewicht oder so).
Also Türknopf drücken, rumdrehen, bis man rumgedreht ist geht die Tür langsam zu ... Fahrgast hielt die Tür dann netterweise auf und fragt ob er helfen soll - meine Standardantwort ist mittlerweile "ich glaub es geht, wenn nicht sag ich bescheid" er hat natürlich an den Rolli gefasst... ein Zug an den Rädern und ich war in der Bahn, kein Hexenwerk und nicht hilfswürdig.

Also steh ich da friedlich da kommt ein Bahnangestellter (in Bahnkluft)
"Wo wollen Sie denn raus?"
"An der Messe"
"Geht das?"
"och ja, wenn das so ist wie hier macht das kein problem"
"Sie wissen ja aber das sie vorne einsteigen müssen?"
"ja, weiß ich - bis ich vorne gewesen wäre wäre die Bahn aber 3mal weggewesen und ich wollte ja rein"
(Anmerkung von mir: die Bahn bestand aus 2 S-Bahnzügen und der Aufzug war am Ende der Gesamtbahn, ich bin in der vordersten Tür des hintern Zugteils eingestiegen, weiter vor hab ichs nicht geschafft)
"Aber sie müssen schon vorne einsteigen wenn man Ihnen helfen soll"
"naja, es ging ja auch so - ich weiß das ich eigentlich nach vorne sollte aber der Weg war zu weit und die Zeit zu kurz"
"Naja ..." (kuckt leicht tadelnd)
ich denke: wtf?! hallooo nich ein ganzer zug und der hätte sicher nicht gewartet

Dann ging er wieder ... - gott sei dank, denn ich wurde unmerklich gereizter
Der Ausstieg war dann sogar noch problemloser als der Einstieg...

Auf dem Rückweg ist mir die andere Bahn gerade vor der Nase weggefahren und so hatte ich 5 min Zeit um ganz ans Ende des Gleises zu fahren ... um brav vorne einzusteigen ;)
Zug fährt ein, ich bewege mich zur Tür, Lokführer streckt den Kopf aus dem Fenster
"Brauchen Sie die Rampe" (der Ton sagte "neee du brauchst die jetzt nicht")
"Nein, ich denke es geht so"
Unnötig zu sagen dass der Lokführer nichteinmal kam um zu sehen obs auch wirklich "so" geht, oder?
Aber jaja ... ich MUSS111elf immer vorne einsteigen...
(ich habe mit einem ähnlichen Verhalten des Lokführers gerechnet, hätte aber gedacht er kuckt wenigstens ob alles klappt)

Und ja, ich hätte auf der Hinfahrt auch eine Bahn später nehmen können, ich wollte es aber nicht, ich wollte nur selbstbestimmt in die Bahn einsteigen an der Tür an der ich es für geeignet halte (es wären auch alle andern Türen geeignet gewesen aber die war halt gerade vor meiner Nase) und nicht grundlos ans komplette andere Ende des Gleises hetzen.

Beim Einsteigen in den Regionalzug auf dem Rückweg habe ich das Rotkäppchen gefragt für welche Fälle denn diese nachträglicih installierte Rampe in diesem alten RB ist (auch ein Rolliklo wurde nachgerüstet) die Antwort war
"Die derfe mer net bediene"
Könnt ihr euch die Fragezeichen über meinem Kopf vorstellen?
"äh ... und wer dann?"
"dozu braucht mer es Spezialausbildung und die habbe mer net"
ich denke: öööh okaaay, Spezialausbildung hooohoo ... für die Rampe ... oookaaay
"Und wer hat die?"
"fast käner. manche Lokführer, aber eigentlich kaum einer"
"oh ... ja dann ist das doch mal eine sinnvolle Aufrüstung"

Die Ironie hat er leider nicht verstanden :/

1 Kommentar:

  1. Ja ja, die Bahn ist schon speziell :D Aber hat ja scheinbar trotzdem alles ganz gut geklappt, immerhin!
    Ich bin ja in Düsseldorf immer total erstaunt, wie gut die mit der "Extrem-Situation Reha" klar kommen. Darauf arbeiten die wahrscheinlich das ganze Jahr hin, deshalb sind die an normalen Tagen immer so verplant...

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