Mittwoch, 2. Februar 2011

Nachdenklich

In Ägypten herrscht ja seit gut einer Woche eher Ausnahmezustand und ein großer Teil des Volkes demonstriert gegen seinen Präsidenten und für demokratische Rechte.
Heute wurde der gewaltfreie Protest plötzlich durch scheinbare Mubarak-Anhänger gewalttätig und in Ägypten herrscht offenbar gerade totales Chaos mit Brandbomben, Steinewerfern, Unmengen Verletzten und wohl auch ersten Toten.
Im deutschen TV passiert Ägypten offenbar gerade nur zu Nachrichtenzeiten und zu 10minütigen ARD-Brennpunkten, aber die gab es ja auch zu Themen wie "Schnee im Winter" oder "Ballack und sein Knöchel".
Das ZDF nutzt sein "ZDF-Login" Format dazu um heute über "Castingshows" zu diskutieren (dort werden wohl auch online-Fragen eingebunden - aber mangels Digital-TV kann ich es nicht sehen) - wow, Dinge die die Welt bewegen...
Immerhin kommt jetzt gerade wenigstens ein "Auslandsjournal" zum Thema Ägypten in dem gerade dt. Touristen interviewt werden in der Ferienanlage während ich auf AlJazeera Bilder von brennenden Dingen sehe und eine Liveschaltung zu einem Korrespondenten habe. Und das Auslandsjournal dauert sowieso nur 30 Minuten wovon ein Teil die Türkei behandelt.
Auch Phoenix, n24 oder n-tv zeigten beim Durchschalten eben nichts von Ägypten, BBC und CNN sehr wohl.
Mich wundert die geringe Präsenz schon etwas, auch wenn wir keiin arabisches Land sind.

Am 11. September liefen auf ALLEN Sendern die immer gleichen Bilder, den ganzen Tag über, man überschlug sich mit Sondersendungen etc ... und in Ägypten kämpfen gerade Millionen für Demokratie und Deutschland interessiert es offenbar nur am Rande. Das macht mich schon nachdenklich irgendwie ...

Markus Lanz informiert mich dann jetzt über "Männerfreundschaften" und "die Probleme mallorquinischer Yachtbesitzer" - tja ... dann werde ich heute wohl entweder CNN, BBC oder via Livestream im Internet english Al Jazeera.

1 Kommentar:

  1. Wenn man bedenkt, dass viele westliche Staaten die Diktaturen in den islamischen Ländern hofieren, um wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten (Stichwort: Ölinteressen), dann ist die Funkstille über die Proteste gar nicht so erstaunlich.

    Seit den Unruhen geht der Ölpreis nämlich stark nach oben, das beunruhigt die Industrieländer mehr als die Hoffnung, dass es dort endlich sowas wie Demokratie gibt.

    Gruß,Felios

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