Sonntag, 13. März 2011

öko ≠ nicht atomar

Ich habe schon gegen Ende des letzten Jahres über einen Wechsel des Stromanbieters nachgedacht, der primäre Grund war eine niedrigere Stromrechnung so das denn möglich ist.
Von Strom hab ich nämlich so gar keine Ahnung, ich habe weder einen Bezug was eine Kilowattstunde ist (also wieviel verbraucht z.B. mein Laptop?) noch dazu ob mein Stromverbrauch nun hoch, niedrig oder normal ist. Demzufolge kann ich auch so gar nicht einschätzen ob die Strompreise oder meine Rechnung gut oder schlecht sind.
Wie der Zufall es so wollte las ich letztes Jahr dann gerade im Tauschticketforum einen Thread über jmd der überlegt den Anbieter zu wechseln.
Dort las ich dann tatsächlich erstmals davon, dass Ökostrom nicht gleichbedeutend sein muss mit Nich-Atomstrom, wirklich durchblickt habe ich das Ganze aber irgendwie nicht und es war wohl auch der Gedanke am Ende doch wieder für Atomstrom zu zahlen, obwohl mir vorgegaukelt wird dass ich gerade DAS nicht täte mit einem Tarif, der mich dann nicht über den Vergleich bei Verivox hinauskommen ließ.
Außerdem hatte ich keine Ahnung wo sich hier im Haus die Stromzähler befinden und ob die für mich erreichbar sind (schließlich bin ich ein relativ kleiner Mensch) und man muss da ja schließlich was ablesen... also blieb ich beim herkömmlichen Stromanbieter den hiesigen Stadtwerken.

Gestern nun dachte ich "hey, jetzt geh es endlich mal an", denn alleine die Ersparnis dient ja schon dazu dass weniger meines Ersparten monatlich angegriffen werden muss.
Also ging ich erneut auf die Verivox-Homepage und klickte "Kaution" und "Vorkasse" weg (dann wird es ja noch undurchschaubarer für mich) und "Ökotarif" hin.
Ein Sonnenblumensymbol ziert dann alle sogenannten Ökotarife.
Ich schaute mir dann alle Tarife auch direkt auf der jeweiligen Anbieterseite an und rechnete dort nochmals neu, denn wer weiß wie aktuell Verivox so ist ... da stellte sich dann für mich raus dass die an erster Stelle empfohlene "FairEnergie" mir irgendwie zu kompliziert war, der Rechner zeigte mir nicht den Tarif an den Verivox zeigte und teurer war es auch ... das war mir zu doof, also ab zum nächsten.

Das war dann Eprimo - sagte mir genauso wenig wie all die anderen Anbieter, aber irgendwo las ich sie gehören zu RWE, alleine das hinterlässt ja aus dem Ökostandpunkt heraus schon einen schalen Beigeschmack schließlich ist RWE ein Atomstromriese. Laut Homepage (Achtung: Die Seite macht Lärm und redet los) wirbt man mit "Damit Ökostrom bezahlbar wird", beim Lesen auf der Seite liest man etwas von 100% Wasserkraft.
Klingt ja nett, ein merkwürdiges Gefühl bleibt aber irgendwie schon.
Die Tatsache, dass ich selbst ohne den Neukundenbonus gegenüber meinem momentanen Abschlag noch spare (und das Wissen dass ich bei den ganzen Ökosiegeln, Pseudoöko-Versprechungen schon letztes Jahr nicht durchgeblickt hab) ließen mich dann dort einen Vertrag abschließen.
Manchmal neige ich zu solch spontanen Handlungen.

Bei den hiesigen Stadtwerken zahle ich momentan 30€/Monat, allerdings sagt die HP dass bei meinem Stromverbrauch mittlerweile ein Abschlag von 34€ angesagt ist (letztes Jahr bekam ich 2 Euro raus). Bei Eprimo bin ich bei einem Abschlag von 29,xx (ohne den Bonus) und es ist immerhin monatlich kündbar und da ich ja auch ohne den Bonus günstiger bin kann ich ja auch zügig wechseln wenn ich durch den Siegelwald mal durchgestiegen bin.

Zumindest auf dem Papier habe ich also mit dem Eprimo PrimaKlima Ökostrom - ob der aber wirklich aus regenerativen Quellen kommt oder doch mit Hilfe von Atomstrom produziert wird ... ich weiß es nicht ..
Der Gedanke an eine Mischkalkulation  von Seiten RWE lässt mich auch zweifeln ob die Entscheidung sinnvoll war und ob die Deklarierung als Ökostrom nicht eher eine Art Gewissensberuhigung des unbedarften Verbrauchers als eine wirkliche Investition in eine atomstromfreie Zukunft ist.

Im Zusammenhang mit "echtem" Ökostrom fallen immer wieder die Namen Lichtblick, Naturstrom, EWS und Greenpeace-energy. Ich habe mir heute von allen die Preise berechnet und bis auf Naturstrom wären alle teurer als mein momentaner Stadtwerkestrom (mit den Werten der HP gerechnet, also dem Abschlag von 34€) und scheiden deshalb also für mich momentan leider aus. (wenn sich mein Einkommen mal ändert, dann kann ich das anders sehen)
Naturstrom läge etwa 7€/Jahr, über dem momentanen Wert der Stadtwerke, aber der wird ja lt. den Preisen auf der Homepage nicht zu halten sein und damit wäre Naturstrom etwa 10€ günstiger im Jahr.
Es wäre aber natürlich teurer als der Strom von Eprimo (ohne Bonus etwa 1€/Monat, mit den 100€ Neukundenbonus natürlich deutlich mehr). Eprimo sagt auf ihrer Homepage
Sie erhalten mit eprimoPrimaKlima Öko-Strom, der zu 100% in Wasserkraftwerken produziert wird – ohne CO2-Emissionen, ohne radioaktive Abfälle.
Tja ... und nun? Ich kann zur Zeit meinen Vertrag ja noch jederzeit widerrufen - und ein Wechsel geht eh erst Anfang Mai - aber sollte ich?
Ich werde versuchen mich in den nächsten Tagen da noch genauer zu informieren, denn noch mehr als die Tatsache dass ich weiterhin Atomstrom konsumiere würde mich ja ärgern wenn ich im Glauben das nicht zu tun es eben doch untergejubelt bekäme ... allerdings ist mir auch noch unklar ob ich es schaffe durch diesen undurchsichtigen Wust von Versprechungen und Siegeln zu steigen.

Nachtrag: Hier noch ein schon etwas älterer Spiegel-Artikel zur Umetikettierung von Atomstrom zu Ökostrom

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