Samstag, 9. April 2011

Jeffery Deaver - Opferlämmer

Vorweg muss ich wohl sagen, dass ich ein absoluter Deaver-Fan bin. Ich liebe Lincoln Rhyme diesen oft mürrischen aber genialen Krüppel. (ja, das böse K-Wort ich weiß ... aber mein Blog also meine Sprache. Außerdem schreibt Deaver es auch.)
Während ich "Opferlämmer" las (mir hätte tatsächlich ein Bindestrich im Titel gefallen um die Silbentrennung zu zeigen - so überlegte ich zuerst ob es "Opfer Lämmer" heiß und fand es einen merkwürdigen Titel) fiel mir ein Punkt ein warum ich die Rhyme Reihe so mag (abgesehen vom Krüppelcontent): Dieses immer wieder aufführen der Tafelaufschriebe erinnert mich irgendwie an die "3 Fragezeichen" wo immer solche Anstupser zum Mitraten neben dem erhobenen Zeigefinger waren.

"Opferlämmer" ist Band 9 der Rhyme/Sachs - Reihe und ich habe ihn ohne etwas vom Inhalt zu wissen vorbestellt, denn Hardcover von Deaver - vor allem der Rhyme/Sachs Reihe, muss ich immer soooofooort haben.
Bei den Büchern um Kathryn Dance kann ich einen Ticken geduldiger sein und muss nicht zwingend vorbestellt, aber die sammel ich auch (noch) nicht.

Meine größte Sorge ist bei der Reihe ja das Rhyme irgendwann aus irgendwelchen Gründen wieder laufen kann und dann nur ein gewöhnlicher Ermittler wird. Dann wären die Bücher sicher immer noch spannend, aber es würde sich für mich falsch anfühlen und ich glaube ich würde sie dann nicht mehr lesen, weil es für mich der Figur irgendwie widersprechen würde.

Nun aber zum Buch - der Inhalt:
Vorsicht: Tödliche Hochspannung!

New York wird von einer beispiellosen Anschlagserie in Atem gehalten, vor der sich niemand sicher fühlen kann. Denn der Attentäter tötet mit einer Waffe, die in unserer hochtechnisierten Welt so unsichtbar wie allgegenwärtig ist: Elektrizität.

Angesichts immer neuer Opfer machen sich der gelähmte Ermittler Lincoln Rhyme und seine Assistentin Amelia Sachs auf die atemlose Jagd nach einem buchstäblich unfassbaren Täter, der keinerlei Spuren hinterlässt und kaum mehr als ein Phantom zu sein scheint. Doch Lincoln Rhyme weiß, dass ihr Gegner allzu real ist – ein zu allem bereiter Killer, dem nichts so viel Freude bereitet wie das grausame Spiel mit der Angst …


Ich hatte kein Wort der Inhaltsangabe gelesen als ich mit den ersten Seiten anfing und ich habe das Buch dann doch wieder zur Seite gelegt muss ich gestehen. Nicht etwa weil es schlecht war oder gar langweilig, nein es war spannend und hat mich sofort gepackt, aber es war mir zu aktuell ... als ich anfing zu lesen waren die Probleme mit den japanischen Atomkraftwerken noch sehr präsent in allen Medien und gleicih auf den ersten Seiten passiert etwas in Umspannwerken und die Gefährlichkeit von Atomstrom wird erwähnt (da bleibt Deaver aber nur an der Oberfläche, aber das ist ja bei seinen Thrillern nicht ungewöhnlich und auch nicht so schlecht).
Deaver konnte natürlich die Probleme in Japan nicht kennen als er das Buch schrieb, ich dachte aber kurz "whoa, es verfolgt mich..."

Man sollte übrigens "Der gehetzte Uhrmacher" vorher gelesen haben, sonst könnte man evtl. irritiert sein.

Das Buch ist wieder ein typischer Deaver, Irrungen, falsche Fährten, plötzliche Erleuchtungen beim Tafel anstarren, der kauzige Rhyme, ein fleißiger Thom, Spannung - etwas anders als sonst ist, dass Pulaski und auch Fred Dellray mehr in den Focus rücken. Vor allem von Freds Arbeit würde ich glaube ich ganz gerne mehr lesen in kommenden Bänden.
Es geht wie immer hauptsächlich um die Ermittlungen und die Fortschritte dabei und nicht um möglichst grausam zugerichtete Leichen.

Ein klein wenig Kritik muss ich aber üben, aber das störte bestimmt nur mich ein bisschen, den meisten fällt es vielleicht gar nicht auf.
So gegen Ende spricht Deaver oft von Patienten wenn eigentlich nur Behinderte gemeint sind - fand ich nicht so toll, vor allem weil es nach meinem Empfinden zu der Figur des Lincoln Rhyme auch nicht so recht passt.
Und es gab da einen Satz den ich merkwürdig fand und entweder sucht man da ein eher merkwürdiges Klischee oder der Satz wurde irgendwie falsch übersetzt
"Ihre Augen waren jedoch flink, sogar wenn sie lächelte, ganz wie man es von einer Frau erwarten würde die sich nur mit der Kraft ihrer Arme durch die Straßen von New York bewegte."
Äh?! Wieso zieht man den Schluss denn von schmalen Lippen auf Frau die ihre Arme zur Fortbewegung nutzt?
Aber vielleicht es ja einfach nur schlecht übersetzt oder ein neu erfundenes Klischee?!

Eigentlich noch blöder fand ich den Satz auf der Seite davor, denn das ist ja echter Humbug so wie es da steht:
"Er wusste sofort um wen es sich handelte: Ihr Rollstuhl war von der selben Herstellerfirma wie seiner."
Rhyme trifft also auf eine Person die er nicht kennt (und er kennt sie wirklich nicht, das wird im Gespräch klar) und dann soll er wissen wer sie ist nur weil der Rollstuhl von der gleichen Firma ist? Was ein Quatsch. Noch dazu fährt Rhyme einen Elektrorollstuhl mit allerlei Sonderanfertigungen und seine Besucherin fährt einen Schieberollstuhl der offenbar recht gewöhnlich ist.
Auch hier würde mich interessieren ob der Übersetzer schlecht war oder ob Deaver da tatsächlich solchen Unsinn schrieb, denn bisher schätzte ich eigentlich, dass solch offensichtlich haarsträubendes da nicht stand.
 Ich habe kaum Ahnung ob die Dinge die Deaver über den Querschnitt (und die Behandlungen) schreibt so stimmen, zumindest wirkten sie auf mich aber nicht ganz so merkwürdig - auf einen Querschnitt evtl. schon, das kann ich aber mangels Detailwissen nicht beurteilen.

Aber wie gesagt, das fällt wahrscheinlich niemandem außer mir überhaupt auf ;) und soll der Lobeshymne auf das Buch keinen Abbruch tun.
Die Geschichte ist spannend und überraschend wie ich das von einem Deaver erwarte. An der Stelle vielen Dank an Jeffery Deaver, dass er noch nicht an dem Punkt ist an dem die Figuren unglaubwürdig werden. Die Geschichten sind immer noch neu und fesselnd.
Also ich kann das Buch nur empfehlen - wie aber alle Rhyme-Fälle. ;)

Jetzt heißt es dann wieder: Gespannt auf den nächsten Band warten, das werden wohl wieder etwa 2 lange Jahre (hoffentlich wg dem James Bond Band nicht noch mehr - ich mag James Bond doch eh nicht *g*)

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