Sonntag, 26. Juni 2011

Freifahrt - und alles so ... yeah?!

Die Bahn hat in einer Pressemitteilung angekündigt, dass ab September Freifahrten im bundesweiten Regionalverkehr für Schwerbehinderte existieren.
Am 1. September 2011 wird die Freifahrtregelung für die rund 1,4 Millionen schwerbehinderten Menschen in Deutschland wesentlich erweitert. Alle Nahverkehrszüge der Deutschen Bahn (DB) können dann bundesweit ohne zusätzlichen Fahrschein mit dem grün-roten Schwerbehindertenausweis und dem Beiblatt mit gültiger Wertmarke genutzt werden.

Klingt ja erst nach einem großen Wurf - ist es vielleicht auch, wenn man nicht genauer darüber nachdenkt oder in weißen Flecken der Verbundskarte wohnt und weiter als 50km in dem Fleck fahren muss.

Mir persönlich ist mir die Meldung ja nicht mal ein Schulterzucken wert (wohl aber diesen Blogbeitrag), denn durch weiße Flecken musste ich bisher nur vor vielen Jahren auf dem Weg vom Saarland ins tiefe Schwabenland (Richtung Ulm-Riedlingen).
Das bin ich tatsächlich, aus Kostengründen, mit den Regionalzügen gefahren (ca 8-9h Fahrt) und musste dann für eine etwa 30 minütige Teilstrecke etwa 10€ zahlen. Der Rest war,weil es sich lediglich um Fahrten durch Verkehrsverbünde handelte, eh kostenlos.
Denn auch jetzt schon zahlen Schwerbehinderte mit Wertmarke nichts wenn sie mit Regionalzügen durch Verkehrsverbünde fahren.

Irgendwo in der Mitte Deutschlands gibt es glaube ich noch einige weiße Flecken, allerdings hab ich die Verbundskarte nicht mehr so genau im Kopf, ist schon zu lange her dass ich sie nutzen musste.

Als den großen Wurf kann ich diese Regelung nun also nicht sehen, betroffen sind davon sowieso nur die die auch vorher schon in weiten Teilen Deutschlands mit Regionalzügen kostenlos fahren durften (steht auch auf dem Streckenverzeichnis ganz unten, so dass es auch jeder wissen kann).
Ich war bisher noch nie auf den 50km Umkreis meines Streckenverzeichnisses angewiesen, die Verbünde gingen jeweils weit darüber hinaus.

Lieber Herr Grube, wäre es Ihnen darum gegangen
„Wir freuen uns, mit dieser Regelung das Leben für schwerbehinderte Bahnfahrer ein kleines bisschen einfacher machen zu können“
dann würden mir spontan sehr viele Dinge einfallen die weitaus hilfreicher sind und das Bahnfahren tatsächlich vereinfachen, z.B. barrierefreie Bahnhofe (oder die Möglichkeit auch an kleinen Bf einzusteigen durch mobiles Personal/mobile Rampen), der Erhalt der Kopfbahnhöfe, Ausmusterung der alten Regionalzüge, bessere Servicezeiten der Rotkäppchen damit man jederzeit Bahn fahren kann und nicht nur von 6-21:30 Uhr, fahrzeuggebundene Rampen an Fernverkehrszügen oder aber auch ein bestimmtes Kontingent an Fernverkehrsfreifahrten für die Behinderten (denn dort zahlt man voll).

Vereinfacht hat man aber definitiv etwas: Die Bahnmitarbeiter im Servicecenter müssen nun nicht mehr die Preise auswürfeln falls man durch die weißen Flecken fährt ;)

Kommentare:

  1. Als ich die Meldung gelesen habe, dachte ich erstmal "Moment, ich habe im Nahverkehr noch nie bezahlt, fahre ich immer schwarz?" Danke für deinen Beitrag, jetzt habe ich das verstanden, glaube ich. Dort, wo kein Verkehrsverbund ist, gibt es die 50km-Regel?
    Ich eben - auf einem Sonntagnachmittag! - einen Anruf vom Mobilitätsservice wegen einer Voranmeldung, das hat mich doch schwer gewundert. Ich sollte meine Rückfahrt früher oder später legen, weil mir in Köln sonst keiner raushelfen könnte. "Mir reicht, wenn der Zugbegleiter die Rampe bedient" "Ich kann bei dem Zug noch nicht sehen, ob der eine Rampe hat." "Das seh ich ja dann am Donnerstag" "Aber dann kommen Sie ja nicht raus." "Nein, dann komme ich gar nicht erst rein." ... War ein lustiges Gespräch :D

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  2. Die Wertmarke berechtigt dich bisher zu kostenlosen Fahrten im Regionalverkehr im Umkreis von 50km um deinen Wohnort - die Strecken sind mit ihren Nummern alle auf dem Streckenverzeichnis aufgelistet.
    Die Wertmarke berechtigt dich aber ebenfalls (das steht auf dem Streckenverzeichnis auch unter den Strecken nochmal drauf) zur kostenlosen Regionalverkehrfahrt in ALLEN Verkehrsverbünden Deutschlands.

    In den meisten Fällen dürften die Verbünde mehr Gebiet abdecken um den Wohnort als die 50km ;).

    Hach ... der Mobilitätsservice ... immer wieder ein Quell der Freude :D

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  3. Was nützen barrierefreie Züge, wenn die Klimaanlage nicht funktioniert? Die Bahn hat unendlich viel zu tun, damit man auch für das horrende Geld, was man zahlt, zumutbar reisen kann, wovon derzeit defekte Toiletten, Hitze, nicht funktionierende Bordbistros und Überfüllung abhalten, von den geringen Kontingenten der Sparpreise ganz einmal abgesehen.

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  4. @Felios Gegenfrage: Was interessiert mich die Klimaanlage wenn ich gar nicht in den Zug komme?

    Barrierefreiheit von ÖPNV sollte normal sein, damit jeder die Möglichkeit hat ihn zu nutzen, das hat mit Klimaanlagen nichts zu tun und ist mE auch überhaupt nicht damit mess- oder vergleichbar weil es 2 komplett verschiedene Paar Stiefel sind.

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